***
XIII
In der Baracke, in die Pierre gebracht worden war und in der er dann vier Wochen verlebte, befanden sich als Gefangene drei Offiziere, dreiundzwanzig Gemeine und zwei Beamte.
Sie alle standen, wenn Pierre später an diese Zeit zurückdachte, ihm nur wie in einem Nebel vor Augen; Platon Karatajew jedoch blieb ihm für immer die lebhafteste und teuerste Erinnerung, eine Verkörperung alles Guten, harmonisch Abgestimmten und Tüchtigen, was im Wesen des russischen Volkes liegt. Als Pierre am andern Tag beim Morgengrauen seinen Nachbar erblickte, fand er seinen ersten Eindruck der Tüchtigkeit und Harmonie voll bestätigt. Und zwar trug dazu in eigentümlicher Weise das Vorherrschen der rundlichen Formen in Platons äußerer Erscheinung bei: seine ganze Figur, in dem mit einem Strick umgürteten französischen Mantel, der Uniformmütze und den Bastschuhen, hatte etwas Rundliches. Sein Kopf war vollkommen rund, der Rücken, die Brust, die Schultern waren rundlich, sogar die Arme, die er immer so hielt, als ob er jeden Augenblick etwas umfassen wollte; auch sein angenehmes Lächeln und seine großen, braunen, zärtlich blickenden Augen waren rundlich.
Platon Karatajew mußte über fünfzig Jahre alt sein, nach seinen Erzählungen von den Feldzügen zu urteilen, die er vor langer Zeit als Soldat mitgemacht hatte. Er selbst wußte nicht, wie alt er war, und vermochte schlechterdings nicht, es genauer anzugeben. Aber seine leuchtend weißen, kräftigen Zähne, die sämtlich als zwei Halbkreise sichtbar wurden, sobald er lachte (was er oft tat), waren noch alle gut und heil; in seinem Bart und auf seinem Kopf fand sich noch kein einziges graues Haar, und sein ganzer Körper machte den Eindruck der Biegsamkeit und ganz besonders der Festigkeit und Ausdauer.
Sein Gesicht trug trotz der kleinen, rundlichen Runzeln das Gepräge der Harmlosigkeit und Jugendlichkeit; seine Stimme war angenehm und hatte etwas Singendes. Die Haupteigentümlichkeit seiner Redeweise aber bestand in einer frischen Natürlichkeit und in den gesunden Gedanken. Offenbar dachte er nie an das, was er gesagt hatte und noch sagen wollte, und daher lag in der Schnelligkeit und Treuherzigkeit, mit der er sprach, eine ganz besondere unwiderstehliche Überzeugungskraft.
Seine physischen Kräfte und seine Gelenkigkeit waren in der ersten Zeit seiner Gefangenschaft so erstaunlich, daß es schien, als wisse er gar nicht, was Müdigkeit und Krankheit seien. An jedem Tag sagte er abends, wenn er sich hinlegte: »Gott, laß mich schlafen wie ein Stein und morgen frisch wie ‘n Kuchen sein«; und wenn er morgens aufstand, so zog er immer in gleicher Weise mit den Schultern und sagte: »Legte mich ermüdet nieder, neugestärkt erwach ich wieder, reck und strecke meine Glieder.« Und in der Tat brauchte er sich abends nur hinzulegen, um sofort wie ein Stein zu schlafen, und morgens sich nur ein wenig zu recken, um sogleich, ohne eine Sekunde Zeitverlust, sich an irgendeine Arbeit machen zu können, wie Kinder sofort nach dem Aufstehen ihr Spielzeug zur Hand nehmen. Er verstand alles zu machen, zwar nicht sehr gut, aber auch nicht schlecht. Er buk, kochte, nähte, hobelte und flickte Stiefel. Er war immer beschäftigt, und nur am späten Abend gestattete er es sich, Gespräche zu führen, was er sehr liebte, und Lieder zu singen. Er sang seine Lieder nicht so, wie es Sänger tun, die wissen, daß man ihnen zuhört; sondern er sang, wie die Vögel singen, offenbar weil es ihm ebensosehr Bedürfnis war, diese Töne ausströmen zu lassen, wie man manchmal das Bedürfnis verspürt, sich zu recken oder umherzugehen. Und diese Töne waren stets von einer beinahe weiblichen Feinheit und Zartheit und hatten etwas Wehmütiges; und sein Gesicht nahm dabei immer einen sehr ernsten Ausdruck an.
Seitdem er in Gefangenschaft geraten war und sich wieder den Bart wachsen ließ, hatte er offenbar alles Fremde, Soldatische, das ihm angelernt worden war, wieder von sich geworfen und war unvermerkt zu seinem früheren ländlichen, bäuerlichen Wesen zurückgekehrt.
»Wenn der Soldat auf Urlaub nach Haus kommt, trägt er das Hemd wieder über den Hosen«, sagte er.
Von seiner Soldatenzeit sprach er nicht gern, obwohl er sich nicht beklagte und oft hervorhob, daß er in seiner ganzen Dienstzeit kein einziges Mal körperlich bestraft worden sei. Wenn er erzählte, so trug er vorzugsweise seine alten und ihm augenscheinlich besonders teuren Erinnerungen aus seinem Bauernleben vor. Die sprichwörtlichen Redensarten, mit denen er seine Rede ausstaffierte, waren nicht jene größtenteils unanständigen, kecken Wendungen, deren sich die Soldaten gern bedienen, sondern es waren dies Aussprüche, wie sie im Volk umgehen, Aussprüche, die, außer allem Zusammenhang betrachtet, recht unbedeutend erscheinen, aber plötzlich den Wert einer tiefen Weisheit bekommen, wenn sie an der richtigen Stelle angeführt werden.
Nicht selten sagte er etwas, das dem, was er vorher gesagt hatte, völlig entgegengesetzt war, und doch war das eine sowohl wie das andere richtig. Er sprach gern und sprach gut und schmückte seine Rede mit Koseworten und Sinnsprüchen, die er, wie Pierre meinte, sich selbst ersann; aber der Hauptreiz seiner Erzählungen lag darin, daß bei seiner Darstellung die einfachsten Ereignisse, manchmal dieselben Ereignisse, die auch Pierre, ohne sie weiter zu beachten, mitangesehen hatte, den Charakter einer würdevollen Schönheit erhielten. Gern hörte er zu, wenn einer der Soldaten abends Märchen erzählte (es waren immer ein und dieselben); aber am liebsten hörte er Erzählungen aus dem wirklichen Leben. Wenn er solche Erzählungen anhörte, lächelte er fröhlich, schaltete Bemerkungen ein und stellte Fragen, mit denen er darauf abzielte, sich die Schönheit dessen, was erzählt wurde, recht klarzumachen. Neigungen, Freundschaft und Liebe in dem Sinne, wie Pierre diese Empfindungen auffaßte, kannte Karatajew gar nicht; aber er liebte alles, womit ihn das Leben zusammenführte, und benahm sich liebevoll gegen alles, besonders gegen die Menschen, nicht gegen irgendwelche bestimmten Menschen, sondern gegen diejenigen Menschen, die er gerade vor sich hatte. Er liebte seinen Hund, er liebte seine Kameraden und die Franzosen, er liebte Pierre, der sein nächster Nachbar war; aber Pierre fühlte, daß Karatajew trotz all seiner freundlichen Zärtlichkeit gegen ihn (durch die er unwillkürlich dem höheren geistigen Leben Pierres den schuldigen Tribut abstattete) sich auch nicht einen Augenblick über die Trennung von ihm grämen würde. Und Pierre begann Karatajew gegenüber dasselbe Gefühl zu hegen.
Platon Karatajew war für alle übrigen Gefangenen ein ganz gewöhnlicher Soldat; sie nannten ihn »Falke« oder Platoscha, foppten ihn gutmütig und schickten ihn zu Besorgungen aus. Aber für Pierre blieb er allezeit das, als was er ihm am ersten Abend erschienen war: die ideale, harmonisch abgerundete, ewige Verkörperung des Geistes der Einfalt und Wahrheit.
Platon Karatajew wußte nichts auswendig als sein Gebet. Wenn er seine Reden führte, so schien er am Anfang derselben nicht zu wissen, was er am Schluß sagen werde.
Wenn Pierre manchmal, überrascht durch den Inhalt seiner Rede, ihn bat, das Gesagte zu wiederholen, so war Platon nicht imstande, sich an das zu erinnern, was er einen Augenblick vorher gesagt hatte, ebensowenig wie er es vermochte, Pierre aus seinem Lieblingslied einzelne Stellen zu rezitieren. In diesem Lied kam vor: »Heimat« und »Birkenwäldchen« und »mir ist weh«; aber wenn er nur solche Worte anführen sollte, so kam nichts Vernünftiges heraus. Er verstand die Bedeutung der Worte nicht, sobald sie aus dem Zusammenhang herausgerissen waren, und konnte sie auch nicht verstehen. Jedes seiner Worte und jede seiner Handlungen war das Produkt einer ihm unbekannten wirkenden Kraft, und diese Kraft war sein Leben. Sein Leben aber hatte (und das war seine eigene Anschauung) als Sonderleben keinen Sinn und Wert. Sinn und Wert hatte es nur als Teil eines Ganzen, jenes Ganzen, das er beständig als solches fühlte. Seine Worte und Handlungen entströmten seinem innern Wesen ebenso gleichmäßig, notwendig und selbsttätig, wie der Duft sich von einer Blume loslöst. Er konnte weder den Wert noch die Bedeutung einer Handlung oder eines Wortes begreifen, wenn man sie aus ihrem Zusammenhang herausnahm.
XIV
Sobald Prinzessin Marja von Nikolai die Nachricht erhalten hatte, daß ihr Bruder sich mit Rostows in Jaroslawl befinde, beschloß sie sofort, trotz alles Abredens von seiten der Tante, hinzufahren, und sogar mit ihrem Neffen. Ob dies schwer oder leicht, möglich oder unmöglich war, danach fragte sie nicht und wollte es gar nicht wissen: sie sagte sich, es sei ihre Pflicht, nicht nur selbst bei ihrem vielleicht sterbenden Bruder zu sein, sondern auch alles mögliche zu tun, um ihm seinen Sohn zuzuführen; und so traf sie denn die nötigen Vorbereitungen. Wenn Fürst Andrei ihr nicht selbst eine Nachricht hatte zugehen lassen, so erklärte Prinzessin Marja sich dies damit, daß er wohl zu schwach sei, um zu schreiben, oder damit, daß er vielleicht meine, diese lange Reise sei für sie und seinen Sohn zu beschwerlich und zu gefährlich.
Nach Verlauf einiger Tage machte sich Prinzessin Marja auf den Weg. Ihre Beförderungsmittel bestanden aus der gewaltigen fürstlichen Kutsche, in welcher sie nach Woronesch gefahren war, einer Britschke und einem Bagagewagen. Mit ihr fuhren Mademoiselle Bourienne, Nikolenka mit seinem Erzieher, die alte Kinderfrau, drei Dienstmädchen, Tichon, ein junger Lakai und ein Heiduck, den ihr die Tante mitgegeben hatte.
Auf dem gewöhnlichen Weg über Moskau zu fahren, daran war gar nicht zu denker, und so mußte denn Prinzessin Marja den sehr langen Umweg über Lipezk, Rjasan, Wladimir und Schuja einschlagen, und dieser Weg war, weil es überall an Postpferden mangelte, sehr schwierig und in der Gegend von Rjasan, wo sich (wie es hieß) Franzosen gezeigt hatten, sogar gefährlich.
Während dieser schwierigen Reise waren Mademoiselle Bourienne, Dessalles und die Dienerschaft erstaunt über die Energie und seelische Festigkeit der Prinzessin Marja. Sie legte sich später als alle andern schlafen, stand früher als alle andern auf, und keinerlei Schwierigkeiten vermochten sie aufzuhalten. Dank ihrer Tatkraft und Energie, die auch auf ihre Gefährten anregend wirkte, näherten sie sich gegen Ende der zweiten Woche Jaroslawl.
In der letzten Zeit ihres Aufenthalts in Woronesch hatte Prinzessin Marja das schönste Glücksgefühl ihres Lebens empfunden. Ihre Liebe zu Rostow quälte und beunruhigte sie nicht mehr. Diese Liebe erfüllte ihre ganze Seele und war ein untrennbarer Teil ihres eigenen Selbst geworden, und sie kämpfte nicht mehr gegen diese Liebe an. In der letzten Zeit hatte Prinzessin Marja, obgleich sie es sich nie mit klaren, bestimmten Worten sagte, die Überzeugung gewonnen, daß sie geliebt wurde und liebte. Davon hatte sie sich bei ihrer letzten Begegnung mit Nikolai überzeugt, als dieser zu ihr gekommen war, um ihr mitzuteilen, daß ihr Bruder bei Rostows sei. Nikolai hatte mit keinem Wort darauf hingedeutet, daß jetzt (im Fall der Genesung des Fürsten Andrei) die früheren Beziehungen zwischen diesem und Natascha vielleicht wiederhergestellt werden würden; aber Prinzessin Marja hatte an seinem Gesicht gesehen, daß er dies dachte und glaubte. Und trotzdem war sein rücksichtsvolles, zartes, liebenswürdiges Benehmen ihr gegenüber unverändert geblieben; ja noch mehr: er schien sich sogar darüber zu freuen, daß nun das Verwandtschaftsverhältnis, in das er mit Prinzessin Marja treten werde, ihm erlaubte, seiner freundschaftlichen Liebe zu ihr (wie Prinzessin Marja manchmal dachte) einen freieren Ausdruck zu geben. Prinzessin Marja wußte, daß sie zum ersten- und letztenmal in ihrem Leben liebte, und war überzeugt, daß sie geliebt wurde, und fühlte sich glücklich und ruhig in diesem wechselseitigen Verhältnis.
Aber dieses Glück der einen Seite ihres Seelenlebens hinderte sie nicht, den Kummer um ihren Bruder in seiner vollen Gewalt zu empfinden; ja im Gegenteil, die geistige Ruhe, die sie nach dieser einen Richtung hin empfand, ermöglichte es ihr noch mehr, sich völlig ihrem Gefühl für ihren Bruder hinzugeben. Dieses Gefühl war im Augenblick ihrer Abreise von Woronesch so stark, daß ihre Reisegenossen beim Anblick ihres abgematteten, verzweifelten Gesichts überzeugt waren, sie werde sicher unterwegs krank werden; aber gerade die Schwierigkeiten und Sorgen der Reise, denen sich Prinzessin Marja mit solcher Energie widmete, retteten sie für einige Zeit vor ihrem Kummer und verliehen ihr Kraft.
Wie das während einer Reise immer so zu gehen pflegt, dachte Prinzessin Marja nur an die Reise selbst und vergaß darüber den Zweck der Reise. Aber als sie sich Jaroslawl näherten und sich ihr wieder der Gedanke an das aufdrängte, was ihr möglicherweise bevorstand, und nicht erst in einigen Tagen, sondern am Abend dieses selben Tages, da stieg die Aufregung der Prinzessin Marja auf den höchsten Grad. Der Heiduck war vorausgeschickt worden, um in Jaroslawl Erkundigungen einzuziehen, wo Rostows Quartier genommen hätten und in welchem Zustand sich Fürst Andrei befinde; und als er nun am Schlagbaum die große einfahrende Kutsche empfing, da erschrak er beim Anblick des entsetzlich blassen Gesichtes der Prinzessin, die sich aus dem Wagenfenster zu ihm hinauslehnte.
»Ich habe alles in Erfahrung gebracht, Euer Durchlaucht: Rostows wohnen am Markt, im Haus des Kaufmanns Bronnikow. Es ist nicht weit von hier, ganz dicht an der Wolga«, sagte der Heiduck.
Prinzessin Marja blickte ängstlich fragend nach seinem Gesicht und begriff nicht, warum er nicht auf die Hauptfrage antwortete: wie es ihrem Bruder gehe. Mademoiselle Bourienne stellte diese Frage für die Prinzessin.
»Was macht der Fürst?« fragte sie.
»Seine Durchlaucht wohnen mit ihnen in demselben Haus.«
»Also ist er doch am Leben«, dachte die Prinzessin und fragte lese: »Und wie geht es ihm?«
»Die Leute sagen: er befindet sich immer noch in demselben Zustand.«
Was das bedeutete: »immer noch in demselben Zustand«, danach wollte die Prinzessin nicht fragen; sie warf nur einen kurzen, unauffälligen Blick nach dem siebenjährigen Nikolenka hin, der vor ihr saß und sich über die fremde Stadt freute; dann ließ sie den Kopf sinken und hob ihn nicht eher wieder in die Höhe, als bis die schwere Kutsche polternd, schütternd und schaukelnd noch eine Strecke weitergefahren war und dann hielt. Rasselnd wurde der Wagentritt heruntergeschlagen.
Der Wagenschlag wurde geöffnet. Links war Wasser, ein großer Fluß, rechts eine Haustür mit Stufen davor; auf den Stufen standen Leute von der Dienerschaft und ein rotwangiges junges Mädchen mit einem großen schwarzen Zopf, das, wie es der Prinzessin Marja vorkam, in einer unangenehm gezwungenen Manier lächelte (es war Sonja). Die Prinzessin lief im Haus die Treppe hinauf, das junge Mädchen mit dem gezwungenen Lächeln sagte: »Hier, hier!«, und die Prinzessin befand sich im Vorzimmer einer alten Dame vom orientalischen Typus gegenüber, die ihr mit einem gerührten Gesichtsausdruck schnell entgegenkam. Es war die alte Gräfin. Sie umarmte Prinzessin Marja und küßte sie.
»Mein liebes Kind!« sagte sie. »Ich kenne und liebe Sie schon lange.«
Trotz all ihrer Aufregung merkte Prinzessin Marja doch, daß dies die Gräfin war, und fühlte, daß sie ihr etwas erwidern mußte. Ohne selbst zu wissen, wie sie es fertigbrachte, sagte sie zu ihr einige höfliche französische Worte in demselben Ton, in dem sie angeredet worden war, und fragte dann: »Wie geht es ihm?«
»Der Arzt sagt, es sei keine Gefahr vorhanden«, antwortete die Gräfin; aber während sie das sagte, richtete sie gleichzeitig die Augen nach oben, und in dieser Gebärde lag ein Ausdruck, der ihren Worten widersprach.
»Wo ist er? Kann ich ihn sehen? Ja?« fragte die Prinzessin.
»Sogleich, Prinzessin, sogleich, meine Liebe! Und das ist sein Sohn?« sagte die Gräfin, sich zu Nikolenka wendend, der soeben mit Dessalles eintrat. »Wir haben hier alle Platz; das Haus ist geräumig. Ach, was für ein allerliebster Knabe!«
Die Gräfin führte die Prinzessin in den Salon. Sonja war in einem Gespräch mit Mademoiselle Bourienne begriffen. Die Gräfin liebkoste den Knaben. Der alte Graf trat ins Zimmer und begrüßte die Prinzessin. Der alte Graf hatte sich außerordentlich verändert, seit die Prinzessin ihn zum letztenmal gesehen hatte. Damals war er ein frischer, heiterer, selbstbewußter alter Herr gewesen; jetzt machte er den Eindruck eines bemitleidenswerten, innerlich gebrochenen Menschen. Während er mit der Prinzessin sprach, blickte er beständig um sich, wie wenn er alle fragen wollte, ob er sich auch richtig benehme. Nach der Zerstörung Moskaus und dem Verlust seines Vermögens hatte er, aus seinem gewohnten Geleis herausgeworfen, offenbar das Bewußtsein seiner Position verloren und fühlte, daß er keine rechte Stelle mehr im Leben hatte.
Trotzdem Prinzessin Marja nur den einen Wunsch hatte, recht schnell ihren Bruder zu sehen, und es als peinlich empfand, daß Rostows in einem solchen Augenblick mit ihr ein Gespräch führten und heuchlerischerweise ihren Neffen lobten, bemerkte sie doch alles, was um sie herum geschah, und fühlte die Notwendigkeit, sich zunächst der neuen Ordnung des Hauses, in das sie eingetreten war, zu fügen. Sie wußte, daß all dies nun einmal nicht zu umgehen war, und es war ihr lästig; aber sie zürnte den Rostows deswegen nicht.
»Dies ist meine Nichte«, sagte der Graf, indem er Sonja vorstellte. »Sie kennen sie wohl noch nicht, Prinzessin?«
Die Prinzessin wandte sich zu ihr, suchte das feindliche Gefühl, das in ihrem Herzen gegen dieses Mädchen aufstieg, zu unterdrücken und küßte sie. Aber sie fühlte sich beklommen, weil die Stimmung all der Menschen, die sie umgaben, so sehr weit von den Empfindungen ablag, die ihre eigene Seele erfüllten.
»Wo ist er?« fragte sie noch einmal, sich an alle zugleich wendend.
»Er ist unten; Natascha ist bei ihm«, antwortete Sonja und errötete dabei. »Es ist schon jemand hingeschickt, um zu fragen, ob Sie zu ihm können. Aber ich meine, Sie werden müde sein von der Reise, Prinzessin?«
Der Prinzessin traten vor Verdruß die Tränen in die Augen. Sie wandte sich ab und wollte eben die Gräfin wieder fragen, wo es zu ihm hinginge, als in der Tür leichte, eilige, sozusagen fröhliche Schritte sich hören ließen. Die Prinzessin sah sich um und erblickte Natascha, die beinahe laufend hereinkam, jene Natascha, die ihr bei der nun schon weit zurückliegenden Begegnung in Moskau so wenig gefallen hatte.
Aber sowie die Prinzessin dieser Natascha ins Gesicht blickte, erkannte sie auch, daß dies eine aufrichtige Teilnehmerin an ihrem Kummer und darum ihre Freundin war. Sie eilte ihr entgegen, umarmte sie und weinte an ihrer Schulter.
Natascha hatte beim Fürsten Andrei am Kopfende seines Lagers gesessen, war, sobald sie von der Ankunft der Prinzessin Marja gehört hatte, leise mit jenen schnellen und, wie es der Prinzessin Marja vorkam, gewissermaßen fröhlichen Schritten aus seinem Zimmer gegangen und zu ihr geeilt.
Als sie ins Zimmer hereingelaufen kam, trug ihr aufgeregtes Gesicht nureinenAusdruck, den Ausdruck der Liebe, der grenzenlosen Liebe zu ihm, zu der Prinzessin Marja, zu jedem, der dem geliebten Mann nahestand, den Ausdruck des Schmerzes und der Teilnahme für andere und des leidenschaftlichen Wunsches, sich selbst aufzuopfern, um ihnen zu helfen. Es war offensichtlich, daß Natascha in diesem Augenblick keinen Gedanken an sich und an ihr Verhältnis zu ihm in ihrer Seele hatte.
Die feinfühlige Prinzessin hatte dies alles beim ersten Blick in Nataschas Gesicht erkannt und weinte nun mit schmerzlichem Genuß an ihrer Schulter.
»Kommen Sie, Marja, wir wollen zu ihm hingehen«, sagte Natascha und führte sie in ein anderes Zimmer.
Prinzessin Marja hob ihr Gesicht in die Höhe, trocknete sich die Augen und wandte sich zu Natascha. Sie fühlte, daß sie von dieser alles erfahren und so alles verstehen werde.
»Wie …«, begann sie ihre Frage, hielt aber plötzlich inne.
Sie sagte sich, daß hier nicht mit Worten gefragt und geantwortet werden könne, sondern Nataschas Gesicht und Augen alles deutlicher und mit mehr Empfindung sagen würden.
Natascha sah sie an, schien aber in Angst und Zweifel zu sein, ob sie ihr alles, was sie wußte, sagen sollte oder nicht; sie hatte die Empfindung, als könne sie diesen leuchtenden Augen gegenüber, die bis in den tiefsten Grund des Herzens drangen, nicht umhin, die ganze Wahrheit, so wie sie sie kannte, auszusprechen. Nataschas Lippen fingen auf einmal an zu zucken, häßliche Falten bildeten sich um ihren Mund, und aufschluchzend verbarg sie ihr Gesicht in den Händen.
Prinzessin Marja verstand das alles.
Aber sie hoffte doch immer noch und fragte mit Worten, an die sie selbst nicht glaubte: »Aber wie steht es mit seiner Wunde? Und in welchem Zustand befindet er sich überhaupt?«
»Sie … Sie werden es sehen«, antwortete Natascha, außerstande noch etwas hinzuzufügen.
Sie saßen beide eine Zeitlang unten in einem Zimmer neben dem Krankenzimmer, um mit dem Weinen aufzuhören und dann mit ruhigen Gesichtern zu ihm hineinzugehen.
»Welchen Gang hat denn die Krankheit genommen? Ist es schon länger her, daß es mit ihm so schlecht steht? Wann istdaseingetreten?« fragte Prinzessin Marja.
Natascha erzählte, in der ersten Zeit habe infolge des fieberhaften, leidenden Zustandes Gefahr bestanden; aber im Troiza-Kloster sei dies vorübergegangen, und der Arzt habe nur noch vor dem Eintreten des kalten Brandes Besorgnis gehabt. Aber auch diese Gefahr sei geschwunden. Als sie nach Jaroslawl gekommen wären, habe die Wunde zu eitern begonnen (Natascha wußte mit Eiterung und dergleichen sehr gut Bescheid), und der Arzt habe gesagt, die Eiterung werde wohl einen normalen Verlauf nehmen. Dann habe sich Fieber eingestellt. Der Arzt habe gesagt, dieses Fieber sei nicht besonders gefährlich.
»Aber vor zwei Tagen«, berichtete Natascha weiter, »trat auf einmaldasein …« (Sie hielt mit Anstrengung das Schluchzen zurück.) »Ich weiß nicht, woher es gekommen ist; aber Sie werden sehen, in welchen Zustand er geraten ist.«
»Ist er schwach geworden? Abgemagert?« fragte die Prinzessin.
»Nein, das nicht, aber schlimmer. Sie werden ja sehen. Ach, Marja, er ist zu gut, zu gut; er kann nicht, kann nicht am Leben bleiben, weil …«
XV
Als Natascha mit einem geschickten, ihr bereits geläufig gewordenen Griff die Tür zum Zimmer des Fürsten Andrei öffnete und die Prinzessin vor sich eintreten ließ, da fühlte Prinzessin Marja schon, wie ihr das Schluchzen in die Kehle steigen wollte. Soviel sie sich auch vorbereitet und sich zu beruhigen versucht hatte, so war sie doch überzeugt, daß sie nicht imstande sein werde, bei dem Wiedersehen mit ihm die Tränen zurückzuhalten.
Prinzessin Marja glaubte verstanden zu haben, was Natascha mit den Worten: »Vor zwei Tagen trat auf einmaldasein«, hatte sagen wollen. Sie meinte, daß dies bedeuten sollte, er sei auf einmal weich geworden, und diese Weichheit und Rührung sei ein Anzeichen des nahen Todes. Als sie sich der Tür näherte, hatte sie schon im Geist Andreis Gesicht vor sich zu sehen geglaubt, so wie sie es in der Kindheit gekannt hatte, zärtlich, sanft, voll Rührung, wie sie es aber in späterer Zeit nur selten an ihm gesehen hatte, wo es dann eben deshalb immer besonders stark auf sie gewirkt hatte. Sie war überzeugt gewesen, daß er leise, zärtliche Worte zu ihr sprechen werde, so wie es der Vater vor seinem Tod getan hatte, und daß sie das nicht werde ertragen können, sondern an seinem Lager in Schluchzen ausbrechen werde. Aber ob früher oder später, es mußte sein, und sie trat ins Zimmer. Das Schluchzen rückte ihr immer näher an die Kehle, während sie mit ihren kurzsichtigen Augen immer deutlicher seine Gestalt unterschied und seine Züge zu erkennen suchte; und da sah sie auf einmal sein Gesicht, und ihre Blicke trafen einander.
Er lag auf einem Sofa, von Kissen umgeben, in einem mit Eichhornpelz gefütterten Schlafrock. Er war mager und blaß. In der einen seiner mageren, durchsichtig weißen Hände hielt er ein Taschentuch, mit der anderen berührte er, leise die Finger bewegend, den schmalen Schnurrbart, der ihm jetzt ohne Pflege lang gewachsen war. Seine Augen blickten nach den Eintretenden hin.
Als Prinzessin Marja sein Gesicht sah und ihre Blicke einander begegneten, mäßigte sie die Schnelligkeit ihres Ganges und fühlte, daß ihre Tränen auf einmal versiegten und ihr Schluchzen abbrach. Nachdem sie den Ausdruck seines Gesichtes und Blickes erfaßt hatte, wurde sie auf einmal befangen und fühlte sich schuldig.
»Aber inwiefern habe ich mich denn schuldig gemacht?« fragte sie sich.
»Deine Schuld besteht darin, daß du lebst und an einen Lebenden denkst, während ich …«, antwortete sein kalter, strenger Blick. In diesem tiefen Blick, mit welchem Fürst Andrei nicht aus sich heraus, sondern in sich hinein sah, lag beinahe etwas Feindseliges, als Fürst Andrei ihn langsam auf seine Schwester und auf Natascha richtete.
Die Geschwister küßten sich, indem sie einander zugleich die Hand drückten, wie sie das zu tun pflegten.
»Guten Abend, Marja, wie kommst du denn hierher?« sagte er mit einer Stimme, die so gleichmütig und fremdartig war wie sein Blick.
Hätte er voller Verzweiflung geschrien und gewinselt, so wäre Prinzessin Marja darüber weniger erschrocken gewesen als über den Klang dieser Stimme.
»Und auch Nikolenka hast du mitgebracht?« fuhr er ebenso gleichmütig und langsam fort; es kostete ihn augenscheinlich eine Anstrengung, sich zu erinnern.
»Wie steht es denn jetzt mit deinem Befinden?« fragte Prinzessin Marja; sie war selbst erstaunt darüber, daß sie redete.
»Danach mußt du den Arzt fragen, meine Liebe«, erwiderte er. Dann machte er offenbar wieder eine neue Anstrengung, um freundlich zu sein, und sagte auf französisch, nur mit dem Mund (es war klar, daß er das, was er sagte, überhaupt nicht dachte):
»Ich danke dir, meine Liebe, daß du hergekommen bist.«
Prinzessin Marja drückte ihm die Hand. Er runzelte bei ihrem Händedruck leise die Stirn. Er schwieg, und sie wußte nicht, was sie sagen sollte. Sie verstand nun, was mit ihm vor zwei Tagen geschehen war. In seinen Worten, in seinem Ton und namentlich in diesem Blick, diesem kalten, beinahe feindseligen Blick, machte sich eine bei einem noch lebenden Menschen entsetzliche Abkehr von allem Irdischen fühlbar. Alles, was mit dem Leben zusammenhing, verstand er offenbar nur mit Mühe; aber dabei merkte man, daß ihm das Verständnis hierfür nicht deshalb mangelte, weil er der Fähigkeit zu verstehen beraubt gewesen wäre, sondern weil er etwas anderes verstand, etwas, was die Lebenden nicht verstanden und nicht verstehen konnten, und was ihn jetzt vollständig in Anspruch nahm.
»Ja, sieh, wie seltsam uns das Schicksal wieder zusammengeführt hat!« sagte er, das Stillschweigen unterbrechend, und wies dabei auf Natascha. »Sie pflegt mich immer.«
Prinzessin Marja hörte ihn, hatte aber kein Verständnis für das, was er sagte. Er, der zartfühlende, rücksichtsvolle Fürst Andrei, wie konnte er das in Gegenwart des Mädchens, das er liebte und das ihn liebte, sagen! Wenn er dächte, daß er am Leben bleiben werde, so hätte er das nicht in einem solchen kalten, kränkenden Ton gesagt. Wenn er nicht den Tod mit Sicherheit vor Augen sähe, so hätte er doch Mitleid mit ihr haben müssen und hätte das nicht in ihrer Gegenwart gesagt. Für sein Verhalten gab es nur eine Erklärung: daß ihm alles dies gleichgültig war, gleichgültig deswegen, weil sich ihm etwas anderes, Höheres erschlossen hatte.
Das Gespräch war kühl und unzusammenhängend und kam alle Augenblicke ins Stocken.
»Marja ist über Rjasan gefahren«, sagte Natascha.
Fürst Andrei beachtete es nicht, daß sie seine Schwester mit dem Vornamen nannte. Natascha aber, die es in seiner Gegenwart zum erstenmal getan hatte, wurde sich dessen bewußt.
»Nun, was ist dabei?« sagte er.
»Es war ihr erzählt worden, daß ganz Moskau niedergebrannt sei, vollständig eingeäschert, und daß …«
Natascha hielt inne: sie durfte nicht weiterreden; er machte offenbar alle Anstrengungen, um zuzuhören, brachte es aber nicht zustande.
»Ja, es ist niedergebrannt, wie man sagt«, erwiderte er. »Das ist sehr traurig.« Er blickte vor sich hin und strich gedankenlos mit den Fingern seinen Schnurrbart zurecht.
»Und du, Marja, bist mit dem Grafen Nikolai zusammengetroffen?« sagte er auf einmal, sichtlich mit dem Wunsch, den beiden etwas Angenehmes zu sagen. »Er hat hierher geschrieben, er habe dich sehr liebgewonnen«, fuhr er in ruhigem, harmlosem Ton fort, offenbar unfähig, die Bedeutung, welche seine Worte für Lebende hatten, in ihrem ganzen Umfang zu ermessen. »Wenn du ihn ebenfalls liebgewännest, so wäre es sehr gut; dann solltet ihr euch heiraten«, fügte er etwas schneller hinzu, als wenn er nach diesen Worten lange gesucht hätte und sich nun freute, sie endlich gefunden zu haben.
Prinzessin Marja hörte seine Worte; aber sie hatten für sie keine andere Bedeutung, als daß sie ihr bewiesen, wie furchtbar fern er jetzt allem stand, was mit dem Leben zusammenhing.
»Wozu sollen wir von mir sprechen!« erwiderte sie ruhig und blickte zu Natascha hin.
Natascha fühlte ihren Blick auf sich gerichtet, sah sie aber nicht an. Wieder schwiegen sie alle.
»Andrei, willst …«, sagte Prinzessin Marja auf einmal mit bebender Stimme, »willst du Nikolenka sehen? Er hat die ganze Zeit her von dir gesprochen.«
Fürst Andrei lächelte zum erstenmal ganz leise; aber Prinzessin Marja, die sein Gesicht so gut kannte, merkte zu ihrem Schrecken, daß dies nicht ein Lächeln der Freude, der Zärtlichkeit für seinen Sohn war, sondern ein Lächeln stillen, milden Spottes darüber, daß Prinzessin Marja das ihrer Meinung nach letzte Mittel anwandte, um ihn aus seiner Teilnahmslosigkeit aufzurütteln.
»Ja, ich werde mich sehr freuen, ihn zu sehen. Ist er gesund?«
Nikolenka sah, als man ihn zu seinem Vater brachte, diesen erschrocken an, weinte aber nicht, weil keiner der andern weinte. Fürst Andrei küßte ihn und wußte augenscheinlich nicht, was er mit ihm reden sollte.
Als Nikolenka wieder hinausgeführt war, trat Prinzessin Marja noch einmal zu ihrem Bruder heran, küßte ihn und brach, da sie sich nicht mehr beherrschen konnte, in Tränen aus.
Er blickte sie starr an.
»Weinst du um Nikolenka?« fragte er.
Unter Tränen nickte Prinzessin Marja bestätigend mit dem Kopf.
»Marja, du kennst doch das Evang …« Aber er brach plötzlich ab.
»Was sagst du?«
»Nichts, nichts. Zum Weinen ist hier kein Anlaß«, sagte er, indem er sie mit demselben kalten Blick ansah.
Als Prinzessin Marja in Tränen ausgebrochen war, hatte er recht wohl verstanden, daß ihre Tränen dem Knaben galten, der als Waise zurückbleiben werde. Sich Gewalt antuend hatte er versucht, zu den Interessen des Lebens zurückzukehren und sich auf den Standpunkt der beiden Mädchen zu versetzen.
»Ja, ihnen muß das traurig vorkommen«, hatte er gedacht. »Und wie einfach ist es doch!«
»Die Vögel unter dem Himmel säen nicht und ernten nicht; aber euer Vater nähret sie doch«, hatte er zu sich selbst gesagt und dasselbe auch zur Prinzessin sagen wollen. »Aber nein«, hatte er dann gedacht, »sie würden es auf ihre Art verstehen, sie würden es nicht verstehen! Das können sie nicht verstehen, daß alle diese Gefühle, auf die sie einen solchen Wert legen, alle diese unsere Gedanken, die uns so wichtig scheinen, hohl und nichtig sind. Wir können einander nicht verstehen!« Und so hatte er geschwiegen.
Der kleine Sohn des Fürsten Andrei war jetzt sieben Jahre alt; er konnte kaum lesen und wußte überhaupt noch nichts. Nach diesem Tag machte er in seinem Leben gar vieles durch, erwarb Kenntnisse, Beobachtungsfähigkeit und Erfahrung. Aber wenn er damals schon alle diese nachher erworbenen Fähigkeiten besessen hätte, so hätte er doch die ganze Bedeutung der Szene, die er zwischen seinem Vater, der Prinzessin Marja und Natascha sich abspielen sah, nicht besser und tiefer verstehen können, als er sie jetzt verstand. Er hatte alles verstanden, ging ohne zu weinen aus dem Zimmer, trat schweigend zu Natascha heran, die hinter ihm her das Zimmer verlassen hatte, und blickte sie schüchtern mit seinen nachdenklichen, schönen Augen an; seine hinaufgezogene rote Oberlippe zuckte, er schmiegte sich mit dem Kopf an sie und brach in Tränen aus.
Seit diesem Tag vermied er seinen Erzieher Dessalles, vermied er die Gräfin, die ihn immer liebkoste, und saß entweder still für sich allein, oder er trat schüchtern an Prinzessin Marja und Natascha heran, welche letztere er, wie es schien, noch mehr liebgewonnen hatte als seine Tante, und liebkoste sie leise und verlegen.
Als Prinzessin Marja von dem Fürsten Andrei herauskam, hatte sie alles das, was Nataschas Gesicht ihr gesagt hatte, völlig verstanden. Sie sprach mit Natascha nicht mehr von der Hoffnung auf Rettung seines Lebens. Sie löste sich mit ihr auf dem Platz an seinem Sofa ab und weinte nicht mehr; aber sie betete unablässig, indem sie ihre Seele zu Gott dem Ewigen, Unbegreiflichen hinwandte, der jetzt (das fühlte sie) über dem Haupt eines sterbenden Menschen gegenwärtig war.
XVI
Fürst Andrei wußte nicht nur, daß er sterben werde, sondern er fühlte auch, daß er jetzt schon im Sterben begriffen und bereits halb gestorben war. Er war sich bewußt, allem Irdischen entfremdet zu sein, und fühlte eine seltsame freudige Leichtigkeit des Daseins. Ohne Ungeduld und Unruhe erwartete er das, was ihm bevorstand. Jenes Drohende, Ewige, Unbekannte und Ferne, dessen Gegenwart er während seines ganzen Lebens fortwährend empfunden hatte, war ihm jetzt nahegerückt, und infolge jener seltsamen Leichtigkeit des Daseins, deren er sich erfreute, vermochte er es beinahe mit der Denkkraft und dem Empfindungsvermögen zu erfassen …
Früher hatte er sich vor dem Ende des Lebens gefürchtet. Zweimal hatte er dieses entsetzlich quälende Gefühl der Todesfurcht durchgemacht, und jetzt hatte er für dieses Gefühl gar kein Verständnis mehr.
Zum erstenmal hatte er dieses Gefühl damals gehabt, als die Granate sich vor ihm wie ein Kreisel drehte und er das zertretene Feld und die Sträuche und den Himmel ansah und wußte, daß da vor ihm der Tod war. Als er aber dann nach seiner Verwundung wieder zu sich kam und sich plötzlich in seiner Seele, wie von dem lastenden Druck des Lebens befreit, jene Blume der ewigen, freien, von diesem Leben unabhängigen Liebe erschloß, da fürchtete er den Tod nicht mehr und dachte nicht mehr an ihn.
Je mehr er in jenen Stunden leidvoller Einsamkeit und teilweisen Irreredens, die er nach seiner Verwundung durchlebte, sich in das neue Element der ewigen Liebe hineindachte, das sich ihm erschlossen hatte, um so mehr entfremdete er sich, ohne es selbst zu merken, dem irdischen Leben. Alles und alle lieben, stets sich selbst um der Liebe willen zum Opfer bringen, das hieß niemanden lieben, das hieß an diesem irdischen Leben nicht teilhaben. Und je mehr er sich von diesem Element der Liebe durchdringen ließ, um so mehr wandte er sich vom Leben ab und um so vollständiger zerstörte er jene furchtbare Schranke, die, wenn jene Liebe nicht vorhanden ist, zwischen dem Leben und dem Tod steht. Sooft er in jener ersten Zeit daran dachte, daß er werde sterben müssen, sagte er zu sich selbst: »Nun schön, um so besser!«
Aber dann kam jene Nacht in Mytischtschi, in der sein Zustand zwischen Fieberphantasien und Klarheit hin und her schwankte und auf einmal die vor ihm stand, nach der ihn verlangt hatte, und er ihre Hand an seine Lippen drückte und stille, frohe Tränen vergoß; nach dieser Nacht stahl sich die Liebe zu diesem einen Weib unvermerkt in sein Herz und verknüpfte ihn wieder mit dem Leben. Und freudige und unruhige Gedanken wurden in ihm rege. Wenn er sich an jenen Augenblick auf dem Verbandsplatz erinnerte, wo er Kuragin erblickt hatte, so vermochte er nun jenes Gefühl der Liebe bei sich nicht wieder wachzurufen; es quälte ihn die Frage, ob dieser Mann wohl noch am Leben sei. Und er wagte nicht, sich danach zu erkundigen.
Seine Krankheit nahm ihren physischen Verlauf; der Vorgang aber, den Natascha mit den Worten bezeichnete: »Es trat auf einmaldasbei ihm ein«, trug sich zwei Tage vor der Ankunft der Prinzessin Marja zu. Zu seiner eigenen Überraschung wurde Fürst Andrei sich dessen bewußt, daß er noch Wert auf das Leben legte, in welchem ihm die Möglichkeit der Liebe zu Natascha winkte, und es folgte nun ein letzter seelischer Kampf zwischen dem Leben und dem Tod, wobei der Tod den Sieg davontrug, ein letzter, schließlich überstandener Anfall von Furcht vor dem Unbekannten.
Es war am Abend. Er befand sich, wie gewöhnlich nach dem Mittagessen, in einem leichten Fieberzustand, und seine Gedanken waren außerordentlich klar. Sonja saß am Tisch. Er war eingeschlummert. Plötzlich überkam ihn eine glückselige Empfindung.
»Ah, sie muß hereingekommen sein«, dachte er.
Und wirklich saß auf Sonjas Platz Natascha, die soeben mit unhörbaren Schritten ins Zimmer getreten war.
Seit der Zeit, wo sie seine Pflege übernommen hatte, hatte er immer diese physische Empfindung für ihre Nähe gehabt. Sie saß auf einem Lehnsessel, so daß sie ihm die Seite zuwendete und durch ihre Gestalt ihm als Schirm gegen das Licht der Kerze diente, und strickte einen Strumpf. (Sie hatte das Strumpfstricken gelernt, seit Fürst Andrei einmal zu ihr gesagt hatte, niemand verstehe sich so gut darauf, Kranke zu pflegen, wie die alten Kinderfrauen, welche Strümpfe strickten; in dem Strumpfstricken liege etwas Beruhigendes.) Ihre schlanken Finger hantierten schnell mit den Nadeln, die mitunter aneinanderschlugen, und das nachdenkliche Profil ihres herabgebeugten Gesichtes war ihm deutlich sichtbar. Bei einer zufälligen Bewegung, die sie machte, rollte das Knäuel von ihren Knien herunter. Sie schrak zusammen, blickte sich zum Fürsten Andrei um, verdeckte die Kerze mit der Hand, bog sich mit einer behutsamen, geschmeidigen, geschickten Bewegung nieder, hob das Knäuel auf und setzte sich wieder in ihrer früheren Haltung hin.
Er betrachtete sie, ohne sich zu rühren, und sah, daß es ihr nach dieser ihrer Bewegung Bedürfnis war, mit ganzer Brust Atem zu holen, daß sie dies aber absichtlich unterließ und recht vorsichtig aus- und einatmete.
Im Troiza-Kloster hatten sie über die Vergangenheit gesprochen, und er hatte zu ihr gesagt, wenn er am Leben bliebe, so würde er lebenslänglich Gott für seine Verwundung danken, die ihn wieder mit ihr zusammengeführt habe; aber seitdem hatten sie nie mehr über die Zukunft geredet.
»Kann es sein oder ist es unmöglich?« dachte er jetzt, während er sie ansah und auf das leise Klirren der stählernen Nadeln lauschte. »Hat mich das Schicksal wirklich nur darum in so seltsamer Weise wieder mit ihr zusammengeführt, damit ich nun doch sterbe …? Hat sich mir die Wahrheit des Lebens wirklich nur dazu erschlossen, damit ich doch in der Unwahrhaftigkeit weiterlebe? Ich liebe sie mehr als alles in der Welt. Aber was soll ich dagegen tun, wenn ich sie doch liebe?« sagte er zu sich und stöhnte auf einmal unwillkürlich auf, wie er sich das in seiner Leidenszeit angewöhnt hatte.
Sowie Natascha diesen Laut hörte, legte sie den Strumpf auf den Tisch, bog sich näher zu ihm hin und trat, als sie seine leuchtenden Augen bemerkte, mit einem leichten Schritt zu ihm und beugte sich über ihn.
»Sie schlafen nicht?«
»Nein, ich betrachte Sie schon lange; ich fühlte es, als Sie hereinkamen. Niemand gibt mir, wie Sie, diese weiche Stille, dieses Licht. Ich möchte geradezu weinen vor Freude.«
Natascha neigte sich noch näher zu ihm. Ihr Gesicht strahlte vor frohem Entzücken.
»Natascha, ich liebe Sie zu sehr, mehr als alles in der Welt.«
»Und ich?« Sie wandte sich einen Augenblick ab. »Warum denn zu sehr?«
»Warum zu sehr …? Nun, was sagt Ihnen Ihr Herz, was glauben Sie im tiefsten Herzen: werde ich am Leben bleiben? Was meinen Sie?«
»Ich bin überzeugt davon, fest überzeugt!« rief Natascha laut und ergriff mit einer leidenschaftlichen Bewegung seine beiden Hände.
Er schwieg ein Weilchen.
»Wie schön wäre das!« sagte er dann, nahm ihre Hand und küßte sie.
Natascha war glücklich und erregt; aber sogleich fiel ihr auch ein, daß ein solches Gespräch für ihn nicht gut sei und er Ruhe brauche.
»Aber Sie haben nicht geschlafen«, sagte sie, die Äußerungen ihrer Freude unterdrückend. »Geben Sie sich Mühe einzuschlafen; ich bitte Sie darum.«
Er drückte ihr die Hand und ließ sie dann los. Natascha ging wieder zu der Kerze und setzte sich so hin, wie sie vorher gesessen hatte. Zweimal sah sie sich nach ihm um; seine Augen leuchteten ihr entgegen. Sie stellte sich eine Aufgabe an ihrem Strumpf und nahm sich vor, sich nicht eher wieder nach ihm umzusehen, ehe sie diese nicht beendet habe.
Wirklich schloß er bald darauf die Augen und schlief ein. Er schlief nicht lange und erwachte auf einmal, von kaltem Schweiß bedeckt und in großer Unruhe.
Beim Einschlafen hatte er fortwährend an das gedacht, woran er diese ganze Zeit her gedacht hatte: an das Leben und den Tod. Und mehr an den Tod. Diesem fühlte er sich näher.
»Die Liebe? Was ist die Liebe?« hatte er gedacht.
»Die Liebe hindert den Tod. Die Liebe ist das Leben. Alles, alles, was ich verstehe, verstehe ich nur dadurch, daß ich liebe. Alles ist und existiert nur dadurch, daß ich liebe. Alles ist nur durch die Liebe miteinander verknüpft. Die Liebe ist Gott, und wenn ich sterbe, so bedeutet das, daß ich, ein Teilchen der Liebe, zu der gemeinsamen, ewigen Quelle zurückkehre.« Diese Gedanken erschienen ihm tröstlich. Aber doch waren es eben nur Gedanken. Es mangelte ihnen etwas; sie hatten etwas einseitig Persönliches, Verstandesmäßiges an sich; es war keine objektive Augenscheinlichkeit da. So befand er sich denn in Unruhe und Unklarheit. Er schlief ein.
Er träumte. Er liegt in demselben Zimmer, in dem er in Wirklichkeit lag; aber er ist nicht verwundet, sondern gesund. Viele verschiedene Personen, unbedeutende, gleichgültige Personen, stellen sich bei ihm ein. Er redet mit ihnen, disputiert mit ihnen über irgendeinen gleichgültigen Gegenstand. Sie schicken sich an wegzugehen. Es kommt ihm unklar zum Bewußtsein, daß alles dies nichtig ist und er andere, wichtigere Sorgen hat; aber dennoch redet er weiter, wertlose Witzworte, durch die er die Leute in Erstaunen versetzt. Allmählich verschwinden alle diese Personen eine nach der andern, und an die Stelle alles dessen, was bisher da war, tritt nun eine einzige Frage, die Frage des Verschließens der Tür. Er steht auf und geht zur der Tür hin, um den Riegel vorzuschieben und sie zuzuschließen. Davon, ob er sie noch rechtzeitig zuschließen kann oder nicht, hängt alles ab, alles. Er geht, er beeilt sich, seine Füße bewegen sich nicht, und er sieht ein, daß es ihm nicht gelingen wird, die Tür rechtzeitig zu verschließen; aber dennoch strengt er krampfhaft alle seine Kräfte an. Und eine qualvolle Angst packt ihn. Und diese Angst ist die Todesangst: draußen vor der Tür steht Es. Aber in dem Augenblick, wo er kraftlos und unbeholfen einherschleichend die Tür erreicht, drückt dieses furchtbare Es schon von außen gegen die Tür und pocht ungestüm dagegen. Etwas Unmenschliches, der Tod, pocht an die Tür, und er, Andrei, muß sie zuhalten. Er erfaßt die Tür und strengt seine letzten Kräfte an, um sie, da es zum Zuschließen zu spät ist, wenigstens zuzuhalten. Aber seine Kräfte sind zu schwach und zu unbeholfen, und die Tür, gegen die das Entsetzliche drückt, öffnet sich. Aber sie schließt sich wieder.
Noch einmal drückt Es von außen dagegen. Die letzten, übermenschlichen Anstrengungen sind vergeblich, und nun haben sich beide Türflügel geräuschlos geöffnet. Es ist eingetreten, und dieses Es ist der Tod. Und er, Andrei, ist gestorben.
Aber in demselben Augenblick, als er gestorben war, kam es dem Fürsten Andrei zum Bewußtsein, daß er nur schlafe, und in demselben Augenblick, als er gestorben war, machte er eine starke Anstrengung und erwachte.
»Ja, das war der Tod. Ich bin gestorben, ich bin erwacht. Ja, der Tod ist ein Erwachen!« Dieser Gedanke leuchtete auf einmal in seinem Geist auf, und der Vorhang, der bis dahin das Unbekannte verborgen hatte, hob sich vor seinem geistigen Blick in die Höhe. Es war ihm, als sei die bisher in seinem Innern gefesselte Kraft nun frei geworden, und er fühlte jene eigentümliche Leichtigkeit, die ihn von da an nicht mehr verließ.
Als er, von kaltem Schweiß bedeckt, wieder zu sich kam und sich auf dem Sofa bewegte, trat Natascha zu ihm und fragte ihn, wie er sich befinde. Er antwortete ihr nicht, sondern blickte sie, ohne sie zu verstehen, mit einem seltsamen Blick an.
Dies war es, was sich mit ihm zwei Tage vor der Ankunft der Prinzessin Marja zugetragen hatte. Seit diesem Tag hatte das Zehrfieber, wie der Arzt sagte, einen schlimmen Charakter angenommen; aber Natascha legte auf das, was der Arzt sagte, keinen Wert; sie sah diese furchtbaren seelischen Symptome, die ihr minder zweifelhaft waren.
Seitdem hatte für den Fürsten Andrei zugleich mit dem Erwachen aus dem Schlaf das Erwachen aus dem Leben begonnen. Und im Verhältnis zu der Dauer des Lebens erschien ihm dieses letzte Erwachen nicht langsamer als das Erwachen aus dem Schlaf im Verhältnis zu der Dauer des Traumes.
Es lag nichts Furchtbares und Schreckliches in diesem entsprechend langsamen Erwachen.
Seine letzten Tage und Stunden verliefen in der gewöhnlichen, natürlichen Weise. Auch Prinzessin Marja und Natascha, die nicht von seinem Lager wichen, fühlten das. Sie weinten nicht und schauderten nicht und waren sich in der letzten Zeit dessen bewußt, daß sie nicht mehr ihn (denn er selbst existierte nicht mehr, er war schon von ihnen gegangen), sondern nur die nächstliegende Erinnerung an ihn, seinen Körper, pflegten. Die Empfindungen der beiden Mädchen waren so tief und stark, daß die äußere, furchtbare Seite des Todes auf beide nicht wirkte und sie es nicht nötig fanden, ihren Schmerz anzureizen. Sie weinten weder im Krankenzimmer noch außerhalb desselben und sprachen auch nie von dem Kranken untereinander. Sie fühlten beide, daß sie unvermögend waren dem, was sie empfanden, mit Worten Ausdruck zu geben.
Beide sahen sie, wie er immer tiefer und tiefer, langsam und ruhig von ihnen hinwegsank in einen unbekannten Abgrund, und beide wußten, daß das so sein mußte und daß es gut so war.
Ein Geistlicher hörte seine Beichte und reichte ihm das Abendmahl; alle traten zu ihm heran, um von ihm Abschied zu nehmen. Als sein Sohn zu ihm gebracht wurde, berührte er ihn mit den Lippen, wandte sich dann aber ab, nicht weil es ihm zu ergreifend und schmerzlich gewesen wäre (Prinzessin Marja und Natascha verstanden das recht wohl), sondern nur weil er annahm, das sei alles, was man von ihm verlange; aber als ihm gesagt wurde, er möchte den Knaben doch auch noch segnen, da tat er auch dies noch und blickte um sich, als wollte er fragen, ob er vielleicht noch etwas tun müßte.
Als die letzten Zuckungen des Körpers eintraten, den der Geist schon verlassen hatte, waren Prinzessin Marja und Natascha bei ihm.
»Es ist wohl zu Ende!« sagte Prinzessin Marja, als der Körper schon einige Minuten regungslos vor ihnen dagelegen hatte und zu erkalten begann. Natascha trat hinzu, blickte in die toten Augen und beeilte sich, sie zuzudrücken. Sie drückte sie zu, küßte sie aber nicht, sondern sank andächtig nieder bei dem Körper, der die nächste Erinnerung an ihn selbst war.
»Wohin ist er gegangen? Wo ist er jetzt …?« dachte sie.
Als der Leichnam gewaschen und angekleidet im Sarg auf dem Tisch lag, traten alle an ihn heran, um Abschied zu nehmen, und alle weinten.
Nikolenka weinte vor schmerzlicher Verständnislosigkeit, die ihm das Herz zerriß. Die Gräfin und Sonja weinten aus Mitleid mit Natascha und darüber, daß er nun dahin war. Der alte Graf weinte darüber, daß, wie er fühlte, auch für ihn die Zeit herannahte, wo er denselben furchtbaren Schritt werde tun müssen.
Natascha und Prinzessin Marja weinten jetzt ebenfalls; aber sie weinten nicht aus persönlichem Gram, sondern infolge der andächtigen Rührung, von der ihre Seelen ergriffen waren angesichts des schlichten, erhabenen Mysteriums des Todes, das sich vor ihren Augen vollzogen hatte.

